Solaranlage und Stromeinkauf: Warum Sie mittags zu viel Strom kaufen
Eigene Solaranlage und Strom in Tranchen eingekauft? Dann kaufen Sie mittags womöglich Strom, den Sie nicht brauchen. Warum das passiert, was Off-Peak bedeutet und ein 4-Fragen-Check.
Veröffentlicht 19. Oktober 2026 · Autor: Christian Olma · Permalink
Viele Industriebetriebe kaufen ihren Strom in Tranchen ein und sichern damit einen Großteil ihres Bedarfs vorab zu festen Preisen ab. Gleichzeitig bauen immer mehr Standorte eine eigene Solaranlage. Beides ist für sich genommen sinnvoll. Zusammen kann es aber dazu führen, dass Sie mittags Strom kaufen, den Sie nicht brauchen – und ihn zu den niedrigsten Preisen des Tages zurückverkaufen.
Wie Strom für Unternehmen eingekauft wird
Ihr Lieferant kauft für Sie an der Strombörse ein: am Terminmarkt für Monate und Jahre im Voraus, am Tagesmarkt für jede Viertelstunde des nächsten Tages. Wer in Tranchen einkauft, legt den Preis in mehreren Teilmengen über Monate fest und verteilt so das Risiko auf mehrere Zeitpunkte.
Gekauft wird dabei in festen Blöcken:
- Base (das Baseband) liefert an allen Tagen rund um die Uhr dieselbe Menge.
- Peak liefert nur montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr.
Ihr tatsächlicher Verbrauch weicht in jeder Viertelstunde von diesen Blöcken ab. Was fehlt, kauft der Lieferant zu; was übrig ist, verkauft er zurück – je nach Vertrag zum Tagespreis oder zu einem vereinbarten Preis. Das funktioniert gut, solange Ihr Strombezug über den Tag gleichmäßig ist. Eine eigene Solaranlage ändert genau das.
Das Problem: zu viel Strom am Mittag

Vereinfachtes Beispiel (Annahme): Standort mit gleichmäßigem Verbrauch von 1 MW (1.000 kW) und eigener Solaranlage an einem sonnigen Werktag. Schwankt Ihr Verbrauch stärker, gilt dasselbe Prinzip.
Ohne Solaranlage passt das Baseband von 1 MW genau zum Verbrauch. Mit Solaranlage sinkt der Bezug aus dem Netz mittags stark – im Beispiel bis auf 0,1 MW. Die Differenz ist vorab gekauft, wird aber nicht gebraucht.
Gleichzeitig ist Strom mittags an der Börse oft besonders billig: An sonnigen Tagen erzeugen sehr viele Solaranlagen gleichzeitig Strom, der keine Brennstoffkosten hat und teurere Kraftwerke verdrängt. Der Börsenpreis sinkt dann stark, manchmal unter null (Auswertung von SMARD-Daten der Bundesnetzagentur). Für Sie heißt das:
- Rückverkauf zu Tiefstpreisen: Die nicht benötigte Menge wird genau dann zurückverkauft, wenn die Preise am niedrigsten sind. Liegt der Rückverkaufspreis unter Ihrem Einkaufspreis, zahlen Sie die Differenz zusätzlich – bei negativen Preisen sogar mehr als den Einkaufspreis. Auf der Rechnung sehen Sie davon oft nur einen Durchschnittspreis.
- Große Abweichungen: Je größer der Unterschied zwischen gekaufter Menge und Verbrauch, desto mehr hängt Ihr Ergebnis davon ab, wie Ihr Lieferant diese Mengen abrechnet.
- Mehr Peak macht es schlimmer: Wer zusätzlich Peak kauft, kauft noch mehr Strom für genau die Stunden, in denen die Solaranlage liefert.
Die Lösung: einen Teil der Tagesmenge wieder verkaufen
Fachleute nennen das Off-Peak: Strom nur außerhalb von montags bis freitags 8 bis 20 Uhr – also nachts, früh morgens, abends und am ganzen Wochenende. Vereinfacht gilt: Off-Peak = Base minus Peak.
Ein fertiges Off-Peak-Produkt gibt es an der deutschen Strombörse derzeit nicht. Man bildet es deshalb aus den beiden Standardblöcken: Sie kaufen weiter Base und verkaufen einen Teil der Peak-Zeiten gleich wieder – lange bevor der Strom geliefert wird. Nachts, abends und am Wochenende bekommen Sie Ihren Strom wie bisher. Voraussetzung ist, dass Ihr Liefervertrag den Verkauf von Peak-Mengen erlaubt.
Dabei geht es nicht um alles oder nichts. Die passende Menge richtet sich danach, wie viel Ihre Solaranlage werktags zwischen 8 und 20 Uhr im Schnitt liefert und wie Ihr Verbrauch über den Tag verläuft. Wer zu wenig verkauft, hat mittags weiter zu viel Strom. Wer zu viel verkauft, hat morgens und abends zu wenig. Ermitteln lässt sich das nur mit Ihrem Lastgang, also Ihrem Verbrauch in Viertelstundenwerten.
Wo die Lösung an Grenzen stößt
- Wochenende: Peak-Produkte gibt es nur für Werktage. Samstags und sonntags bleibt die Absicherung mittags zu hoch – gerade dann sind negative Preise häufig.
- Jahreszeiten: Im Winter liefert die Solaranlage wenig. Dann sollte auch weniger Peak verkauft werden.
- Einspeisung: Was Ihre Solaranlage über den eigenen Verbrauch hinaus ins Netz liefert, betrifft nicht Ihren Einkauf. Dafür gibt es eigene Hebel: mehr Eigenverbrauch, Lastverschiebung oder ein Speicher – siehe unseren Leitfaden „Batteriespeicher: Strom handeln oder Kosten senken?“.
Ob sich Off-Peak für Sie rechnet, ist offen: Es kann Ihre Kosten senken, muss aber nicht. Es hängt von Ihrem Verbrauch, Ihrer Beschaffungsstrategie und Ihrem Liefervertrag ab.
Betrifft mich das? Der 4-Fragen-Check
Beantworten Sie vier Fragen mit Ja oder Nein. Können Sie eine Frage nicht beantworten, zählt sie als Ja.
- Haben Sie eine eigene Solaranlage, oder planen Sie eine?
- Kaufen Sie Ihren Strom in Teilmengen vorab zu festen Preisen ein („Tranche“, „Base“ oder „Band“)?
- Verrechnet Ihr Lieferant den Unterschied zwischen gekaufter Menge und tatsächlichem Verbrauch zum Börsenpreis („Spotmenge“, „Ausgleich“)?
- Liefert Ihre Solaranlage mittags einen großen Teil Ihres Verbrauchs oder sogar mehr?
Zweimal Ja oder mehr: Dann lohnt es sich, Ihren Einkauf mit Ihrem tatsächlichen Strombezug abzugleichen. Höchstens einmal Ja: Dann betrifft Sie das Thema vermutlich nicht – im Zweifel klären wir das gern kurz mit Ihnen.
Häufige Fragen
Muss ich dafür meinen Lieferanten wechseln? Nicht zwingend. Erlaubt Ihr Vertrag den Verkauf von Peak-Mengen, lässt sich das im bestehenden Vertrag umsetzen. Sonst lässt es sich erfahrungsgemäß durch eine Zusatzvereinbarung ergänzen oder beim nächsten Vertrag berücksichtigen.
Was kostet Olmatic? Jede Leistung hat einen festen Preis, den wir im Angebot ausweisen. Olmatic verkauft weder Speicher noch Strom – unsere Empfehlung hängt also nicht davon ab, was Sie kaufen.
Der vollständige Leitfaden
Alle Begriffe, die Vergleichstabelle Base, Peak und Off-Peak, die Umsetzung in fünf Schritten und die Quellen finden Sie im Kundenleitfaden „Off-Peak-Beschaffung“ – mit interaktivem 2-Minuten-Check.
Lieber direkt sprechen? Im Erstgespräch (rund 30 Minuten) klären wir, ob Ihr Einkauf zu Ihrem Strombezug passt – mit einer klaren Empfehlung, auch wenn sie lautet: nichts tun. Erstgespräch vereinbaren