Batteriespeicher: Strom handeln oder Kosten senken?
Ein Speicher, zwei Wege: Markterlös mit Vermarkter oder Einsparung auf der eigenen Stromrechnung. Rechenbeispiel, Entscheidungsbaum und die Regeländerungen bis 2029.
Veröffentlicht 9. Oktober 2026 · Autor: Christian Olma · Permalink
Ein stationärer Batteriespeicher kann auf zwei grundverschiedene Arten Geld verdienen: als Handelsinstrument am Strommarkt (Arbitrage) oder als Werkzeug, das die Stromkosten Ihres eigenen Standorts senkt. Die Hardware ist dieselbe – Fahrweise, Risiko und Verschleiß sind es nicht.
Zwei Wege im Vergleich
- Strom handeln wird nach Börsenpreisen und dem Bedarf an Regelenergie gesteuert. Das Geld kommt als Markterlös – geteilt mit einem Vermarkter. Ihr Verbrauch spielt kaum eine Rolle. Die Erlöse schwanken stark und sinken, je mehr Speicher gebaut werden.
- Standort optimieren wird nach Ihrem Lastgang und der Börsenpreiskurve gesteuert. Das Geld kommt als Einsparung auf Ihrer eigenen Stromrechnung: niedrigere Lastspitzen, günstigerer Strombezug, mehr selbst genutzter PV-Strom. Ihr Verbrauch bestimmt Größe und Fahrweise.
Das Rechenbeispiel
Standort mit 20 GWh Jahresverbrauch, 4 MW höchster Lastspitze, Zweischichtbetrieb, börsenpreisbasierter Beschaffung und einem Speicher mit 1 MW / 2 MWh (1,8 MWh nutzbar, 88 % Wirkungsgrad). Netzentgelt: 149,46 €/kW und 0,93 ct/kWh (Preisblatt eines süddeutschen Netzbetreibers 2026).
- Strom handeln: 110.000–190.000 € Markterlös pro MW und Jahr, abzüglich 10–20 % für den Vermarkter (Annahme von Olmatic) und ggf. Netzentgelt auf den Ladestrom – Ergebnis ca. 80.000–170.000 € pro Jahr bei rund 550 Vollzyklen.
- Standort optimieren: 300–600 kW weniger Spitze bringen 45.000–90.000 €, günstigerer Strombezug 25.000–70.000 € – Ergebnis ca. 70.000–160.000 € pro Jahr bei rund 200–280 Vollzyklen.
Was die Beträge nicht zeigen, ist der Verschleiß: Beim Strom handeln läuft der Speicher etwa doppelt so viele Zyklen. Hersteller begrenzen Garantien häufig auf eine Zyklenzahl pro Jahr – ein Beispiel liegt bei rund 548 Zyklen (ESS News). Und die Erlöse sind unsicher: Im Dezember 2025 brachte ein Großspeicher nur ca. 5.000 € pro MW im ganzen Monat. Alle Zahlen sind illustrativ und ersetzen keine Analyse Ihres Lastgangs.
Erst Beschaffung und Prozesse, dann der Speicher
Ob Sie einen Speicher brauchen, klären sechs Fragen in dieser Reihenfolge:
- Kaufen Sie börsenpreisbasiert ein? Ohne Preissignal bringt Verschieben nichts.
- Lassen sich Prozesse verschieben – Kühlung, Druckluft, Wärme, flexible Produktion?
- Treiben kurze Spitzen Ihre Netzentgelte?
- Nutzen Sie Sondernetzentgelte für Bandlast oder atypische Netznutzung?
- Haben Sie eine Solaranlage mit Überschuss?
- Ist Einspeisung möglich und das Marktrisiko akzeptabel?
Strom handeln kommt erst in Frage 6 ins Spiel – für die Kapazität, die Ihr Standort nicht braucht. Ihr Standort hat immer Vorrang.
Was sich gerade ändert
- Netzentgelte ab 2029: Die Bundesnetzagentur ordnet die Netzentgelte neu (AgNes, Entwurf vom 06.08.2026). Die bisherige Verordnung läuft Ende 2028 aus; Sonderregeln für Bandlast und atypische Netznutzung sollen enden, ein neues Entgelt soll Flexibilität belohnen.
- Netzentgeltbefreiung für Speicher (§ 118 Abs. 6 EnWG) gilt bei Inbetriebnahme bis 04.08.2029 – aber nur für Strom, der ins Netz zurückgespeist wird. Ein Speicher für die eigene Produktion profitiert in der Regel nicht.
- Gemischt genutzte Speicher: Seit 01.10.2026 regelt die Festlegung MiSpeL, wie Strommengen mit mehreren Nutzungen abgegrenzt werden. Wer kombiniert, braucht ein passendes Messkonzept.
Häufige Fragen
Was kostet Olmatic? Jede Leistung hat einen festen Preis, den wir im Angebot ausweisen. Eine Einspar- oder Ertragsgarantie geben wir nicht. Olmatic verkauft weder Speicher noch Strom – unsere Empfehlung hängt also nicht davon ab, ob Sie einen Speicher kaufen.
Was passiert mit der Einsparung, wenn sich die Netzentgelte 2029 ändern? Der Anteil aus der Spitzenkappung kann sinken, weil künftig eher die vorab gebuchte als die gemessene Leistung zählen soll (Rödl & Partner). Gleichzeitig soll Flexibilität ein eigenes, günstigeres Netzentgelt bekommen. Weil die Steuerung Software ist, lässt sich die Fahrweise anpassen.
Der vollständige Leitfaden
Alle Tabellen, den Entscheidungsbaum mit passenden Olmatic-Leistungen und acht Antworten auf häufige Fragen finden Sie im Kundenleitfaden „Batteriespeicher: Strom handeln oder Kosten senken?“.
Quellen (abgerufen am 08.10.2026): Bundesnetzagentur (AgNes, MiSpeL), § 118 EnWG, § 19 StromNEV, pv magazine/ISEA RWTH, ESS News, Modo Energy, Rödl & Partner.