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Die stille Revolution im Energieeinkauf

Geschrieben von Chris | Feb 12, 2026 12:43:42 PM

 

Der Energieeinkauf sieht heute anders aus als vor zwei Jahren. Und 2026 wird er sich nochmal komplett verändern. Der Grund: Power Purchase Agreements (PPAs) sind nicht mehr die Ausnahme für große Konzerne. Sie sind zur neuen Norm geworden.

Das zeigen die Zahlen. 2025 wurden in Deutschland 2,04 Gigawatt neue PPA-Leistung vertraglich gesichert. Das sind 48 einzelne Deals, ein Zuwachs von 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Deutschland rangiert auf Platz zwei in Europa, direkt hinter Spanien.

Aber das Bemerkenswerteste ist nicht die Menge. Es ist die Struktur. Früher waren PPAs Projekte für Großkonzerne mit dreistelligen Millionen-Budgets. Heute steigen Mittelständler ein. Die Deals werden kleiner, flexibler, zugänglicher. Und gleichzeitig ändern sich die Spielregeln komplett: Neue EEG-Regelungen, IFRS-Bilanzierungsregeln und Speichertechnologien schaffen ein völlig neues Ökosystem.

Warum 2026 das entscheidende Jahr ist

Drei Faktoren treffen 2026 zusammen.

Die Fördermittel laufen aus: Hunderte Wind- und Solaranlagen in Deutschland erhalten 2026 und darüber hinaus keine staatliche Förderung nach dem EEG mehr. Für Betreiber ist das ein Problem. Für Energieeinkäufer ist es eine Chance. Plötzlich gibt es massiv mehr Angebote für PPAs und weniger Konkurrenz um die Volumen.

CfDs und die neue EU-Strategie: Die EU hat verstanden, dass Europa beim Strompreis nicht konkurrenzfähig ist, wenn Unternehmen nicht mit stabilen Langzeitpreisen planen können. Darum pusht der EU Clean Industrial Deal massiv die Verbreitung von Contracts for Difference (CfDs). CfDs garantieren einen Mindestpreis. Wenn der Marktpreis darüber liegt, zahlt der Käufer die Differenz zurück. Wenn der Preis fällt, bekommst du den Ausgleich. Spanien, UK und Frankreich nutzen CfDs bereits flächendeckend. Deutschland folgt mit der EEG-Novellierung 2027.

Bilanzierung wird endlich einfacher: Ab 2026 greifen neue IFRS-Regeln, die speziell für Stromkauf-Derivate gelten. Die Komplexität sinkt dramatisch. Weniger Beratungskosten, weniger Compliance-Aufwand, mehr Transparenz.

PPAs: Von der Theorie zur Praxis

Ein PPA ist einfach erklärt: Du einigst dich mit einem Windpark- oder Solaranlagen-Betreiber auf einen Strompreis für 5, 10 oder 15 Jahre. Der Betreiber liefert Strom, du zahlst einen fixen Preis. Fertig.

Zwei prominente Beispiele: Syngenta und Statkraft haben 625 GWh über fünf Jahre vereinbart. Infineon und PNE haben 550 GWh über zehn Jahre abgeschlossen.

CfDs: Das neue Standard-Modell

Ein CfD funktioniert so: Der Strompreis wird an einem Referenzmarkt festgelegt. Dein vereinbarter Preis liegt z.B. bei 8 Cent/kWh. Wenn der Marktpreis auf 12 Cent steigt: Du zahlst nur 8 Cent. Wenn der Marktpreis auf 5 Cent fällt: Du zahlst 8 Cent. Dein Strompreis bleibt immer stabil.

Direktleitungen: Der unterschätzte Hebel

Statt dass der Strom über das öffentliche Stromnetz kommt, baut der Anlagenbetreiber eine direkte Leitung zu deinem Werk. Du zahlst weniger Netzentgelte. Die EEG-Novellierung macht Direktleitungen nun wirtschaftlich skalierbarer.

Speichertechnologien: Die unterschätzte Komponente

Thermische Speicher liegen bei etwa 95 Prozent Effizienz vs. Wasserstoff mit bestenfalls 50 Prozent. Deutschland verliert jährlich etwa 200 TWh Wärmeenergie als Abwärme. CATL bringt die Salzbatterie: Natrium-Ionen statt Lithium, deutlich günstiger.

Deine nächsten Schritte

  1. Energieverbrauch klar machen (Jahresverbrauch, Lastverlauf, Spitzenlast)
  2. Geografische Nähe zu Erzeugern prüfen
  3. PPA vs. CfD vs. klassischer Stromvertrag abwägen
  4. Mit deinem CFO die Bilanzierung klären (neue IFRS-Regeln ab 2026)
  5. Early Bird sein: Betreiber suchen massiv PPAs, wer früh macht bekommt bessere Konditionen

Du möchtest wissen, wie ein PPA für dein Unternehmen konkret aussieht?